Foodwatch verklagt Unilever wegen Phytosterinen in Margarine
Berlin (Deutschland), 10.02.2012 – Die Verbraucherorganisation
Foodwatch hat eine Klage gegen den Konzern
Unilever eingereicht, weil die Margarine
„Becel pro.activ“ die beworbenen gesundheitlichen Vorteile für die Konsumenten nicht nur nicht mit sich bringe, sondern ganz im Gegenteil bezüglich dieser Gesundheitsfragen sogar kontraproduktiv wirken könnte.
Die Margarine „Becel pro.activ“ enthält
Phytosterine und soll laut dem Hersteller zur Senkung der
Cholesterinwerte führen und so
Herzkrankheiten vorbeugen.
Gegen diese Werbeaussage hat Foodwatch beim
Landgericht Hamburg eine
Unterlassungsklage eingereicht.
Foodwatch fordert, die Margarine und andere „cholesterinsenkende“ Lebensmittel müssten apothekenpflichtig werden. Die enthaltenen
Phytosterine (auch Pflanzensterole, Pflanzensterine oder Phytosterole genannt) sind dem Cholesterin ähnliche Substanzen, die im
Darm Cholesterin verdrängen können und so dessen Aufnahme reduzieren können.
Bisher habe es aber an Studien gefehlt, die schlüssig eine allgemeine Reduzierung des Herzinfarktrisikos beim Menschen durch Phytosterine belegten. Eine Reihe neuer Studien zu Phytosterinen haben auch das
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewogen, eine neue Bewertung durch die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit zu empfehlen.
Professor Oliver Weingärtner von der
Universität des Saarlandes konnte bei Mäusen, die mit Phytosterinen ernährt wurden, eine Zunahme von Ablagerungen in den Blutgefäßen beobachten. Auch
Sitosterolämie-Patienten mit einem 20-fach erhöhten Phytosterinspiegel hatten ein erhöhtes Risiko von Herzkrankheiten. Bei Mäusen störten pflanzliche Sterinester die
endotheliale Gefäßfunktion, sie verstärkten
ischämische Hirnschäden und förderten die Entstehung der
Arteriosklerose, wie Professor Weingärtner im
Journal of the American College of Cardiology 2008 berichtete.
Daniel Teupser von der
Universität Leipzig konnte 2010 nachweisen, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 Phytosterin besser über
Leber und
Galle ausscheiden, während Personen mit anderen Blutgruppen Phytosterin im Blut stärker anreichern, was auch zu weniger Herzkrankheiten bei Menschen mit Blutgruppe 0 führe. Über die Oxidationsprodukte der Phytosterine im Körper ist bisher noch wenig bekannt, sie könnten sich noch als gefäßschädigend erweisen. David Jenkins von der
Universität Toronto betrachtet Phytosterine als gesund, da Vegetarier eine bis zu dreifach höhere Menge (ein Gramm pro Tag) verzehrten und ein geringeres Risiko von Herzkrankheiten hätten. Phytosterine konnten im Tierversuch die
Blut-Hirn-Schranke passieren und sich im Gehirn mit unbekannten Folgen in die
Lipidbasis der
Zellmembranen anlagern.
Olga Schiepers an der
Universität Maastricht konnte in einer Studie über 85 Wochen jedoch keine Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen bei Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten feststellen, die „Pro-aktiv-Margarine“ aßen. Die
Stiftung Warentest forderte bereits 2002
in einem Test der Margarine die Angabe von Nebenwirkungen und Gegenanzeigen wie bei einem Medikament.
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